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Die Flitterbraut von Brotterode

In einem alten Gemeindewirtshaus zu Brotterode zeigte sich gar oft den Wirtsleuten ein Geist in Gestalt einer Flitterbraut. So nannte man früher ein Mädchen in ihrem Brautkleide.
Diese Brotteroder "Flitterbraut" trug eine ganz besondere Kleidung. Über das mit bunter Seide durchwirkte "Sürkismieder" wurde die weit ausgeschnittene, mit Goldstreifen verzierte und mit einem roten Latz versehene Jacke gezogen. Dazu kamen ein schwerer schwarzwollener Tuchrock, weiße Strümpfe und Hakenschuhe. Eine aus Goldfiligran gearbeitete Kette mit Henkeldukaten zierte den Hals der Braut. Als Kopfputz waren die beiden von rotgeblümten Seidenband umschlungenen Zöpfe in Schleifen geordnet. Dazu war das ganze Haar über und über mit Flitterband eingehüllt, welches man im Nacken mit einer rotseidenen Bandrosette, dem "Ankebusch", verband. Über das Ganze erhob sich die "Krone", hergestellt aus Silberdraht, Perlen und Flitter. An der rechten Seite hing an einer langen roten Schleife das Taschentuch, das in einer Ecke die Anfangsbuchstaben des Brautpaares enthielt. Die Schleife war an einer über die Schulter geschlungenen Kette befestigt.


Nun, dieser Geist in Gestalt der Flitterbraut erschien im dortigen Keller, während sich eine Brautjungfer in der Küche sehen ließ. Der Wirt erblickte oft die Jungfer, wie sie hastig nach etwas zu greifen schien. Scheltend rief er sie an, jedoch das Mädchen hörte nicht auf seine Worte und kehrte sich auch nicht um den Wirt. Er beobachtete aber jetzt genauer, wohin sie griff. Da sah er aus dem alten Türbalken ein kleines leinernes Beutelchen hervorluken, darin einige verschimmelte Silbergroschen gewickelt waren. Von der Zeit an sah man die Brautjungfer nicht mehr.

Abbildung: Die Brotteröder Trachten - Das Foto entstand Anfang der 30er Jahre vor dem damaligen Hotel Adler


Aber nach wie vor erschien im Keller die Flitterbraut, zu jeder Stunde des Tages wie der Nacht, ging an den Wirtsleuten vorüber, wenn diese im Keller zu tun hatten und fügte ihnen keinerlei Schaden zu, als dass sie ihnen manchmal das Talglicht ausblies. Die Wirtsleute hatten sich im Laufe der Zeit an die Erscheinung und den Anblick dieses Hausgeistes gewöhnt. Niemand wagte ihn anzureden, derweil unter den Waldbewohnern der Glaube herrschte, dass das Erscheinen eines Geistes sowohl Glück als Unglück bringen und bedeuten könne.
Es sei vermessen, ihn etwas zu fragen oder überhaupt ihn anzureden, einen gewissen Schaden würde dieses jedenfalls bringen. So erzählt man, dass jene Wirtsleute kein Glück mehr beim Ausschenken hatten, sie starben und verdarben, und der Gasthof wurde an eine neue Familie verpachtet.


Der neue Wirt war ein tüchtiger und freundlicher Mann, zu dem viele Gäste kamen. Bei der Arbeit halfen ihm seine rührige Frau und eine schöne Tochter.
Aber eines Abends kam noch zu später Stunde ein Fremder, und die Tochter ging in den Keller, um dem Gast einen frischen Trunk zu holen. Da erschien die Flitterbraut und näherte sich freundlich. Die schöne Wirtstochter dachte nichts Arges, sondern meinte, es sei eine ihrer Freundinnen, die an diesem Tage gerade Hochzeit gefeiert hatte, und fragte: "Was machst du jetzt noch im Keller?" Darauf erwiderte die Erscheinung: "Wisse, dass ich ein seit vielen hundert Jahren an diesem Ort gebannter Geist bin und einen großen Schatz bewache, den du heben sollst und geschwind von seiner Stelle rücken musst, denn wenn die Glocke die Mitternachtsstunde anschlägt, und es ist nicht getan, so bleibe ich ewig unerlöst. Aus diesem Grunde habe ich die Züge deiner Freundin angenommen, damit du mich fragen solltest, denn ungefragt wäre es mir nicht vergönnt, zu dir zu reden. Eile und hebe den Schatz, der dort an jener Stelle ruht."


Mehr tot als lebendig eilte die Wirtstochter hinauf in die Schankstube zu den Eltern und erzählte voller Aufregung und Angst von dem, was sie gehört und gesehen hatte.
Doch gleich darauf holte der Vater Schaufel und Hacke aus dem Schuppen und eilte mit Mutter und Tochter hinunter in das Kellergewölbe. Der Geist der Flitterbraut war verschwunden. Die aufgeregte Wirtstochter bezeichnete genau die Stelle. Der Vater schlug mit der Hacke ein, und es dauerte auch nicht lange, so kam ein mit Goldstücken gefüllter Kessel zum Vorschein. Durch diesen geheimnisvollen Fund wurde die Wirtsfamilie sehr reich. Der Segen lag bei dem Golde, und der Geist war erlöst. Die Nachkommen des Wirtes waren lange Zeit reiche Leute in Brotterode. Die Tochter des Wirtes aber, so erzählt man, fing von jener Zeit an zu siechen und zu kränkeln. Sie zitterte stets am ganzen Leibe und starb nicht lange nach dem Schatzfund. Die Menschen damals erzählten sich weiter, dass immer eines oder zwei von denen, die bei der Hebung eines Schatzes zugegen sind, bald darauf sterben müssen.

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